Der FotoVideoTec-Blog

Lose Gedanken und kurze Beiträge zu Themen der Foto- und Videotechnik
von Andreas Beitinger

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HEIC-Fotos unter Windows 10 öffnen - Das Ende des Filmlooks - Warum ist die Länge der Videoaufnahmen an vielen Kameras begrenzt? - Nikon AF-D gibt es nicht.


HEIC-Fotos unter Windows 10 öffnen

Neuere iPhones und iPads sowie einige Android-P-Geräte nehmen Fotos in einem neuen Format mit der Endung HEIC auf (das steht für HEIF mit HEVC-Kompression). Gegenüber dem veralteten JPEG-Format ermöglicht das HEIC-Format bei gleicher Qualität rund halb so große Dateien. Bisher werden HEIC-Dateien beim Export meist in JPEGs konvertiert, damit andere Programme und Geräte sie lesen können – aber damit gehen die technischen Vorteile von HEIC verloren. Schöner wäre, man könnte die HEIC-Bilder direkt verwenden und archivieren. Je mehr Smartphones mit HEIC-Bildformat auf den Markt kommen, desto wichtiger wird diese Möglichkeit.

Die Hersteller von Bildbearbeitungsprogrammen sind mit der direkten Unterstützung des HEIC-Formates noch zurückhaltend, weil sie dazu Lizenzen erwerben müssten. Ein zumindest teilweiser Ersatz ist die Integration direkt ins Betriebssystem. In macOS gibt es schon länger eine Unterstützung für das HEIC-Format; viele Programme unter macOS können das Format deshalb lesen. Inzwischen stellt Microsoft etwas Vergleichbares auch unter Windows 10 zur Verfügung. Man braucht dazu keine Software von externen Herstellern mehr.

Wer es schon mal ausprobieren möchte, aber noch keine eigenen HEIC-Dateien zur Hand hat, kann sich hier oder hier welche herunterladen.

Auf manchen Windows-10-Rechnern ist die HEIC-Unterstützung bereits ohne Zutun des Benutzers aktiv. Wenn nicht, muss sie manuell eingerichtet werden.
Damit es klappt, sollte mindestens die System-Version 1903 installiert sein. Um die Unterstützung für das HEIC-Format zu bekommen, müssen außerdem über den ‚Windows Store‘ zwei spezielle Apps installiert werden: ‚HEIF-Bilderweiterungen‘ und ‚HEVC-Videoerweiterungen vom Gerätehersteller‘.
Es genügen die hier verlinkten kostenlosen Apps; für deren Download muss man nicht mal im Windows Store angemeldet sein. Verwirrenderweise werden für HEVC und HEIF/HEIC auch kostenpflichtige Apps angeboten, aber die sind unnötig.

Ist die HEIC-Unterstützung in Windows 10 fertig eingerichtet und der Rechner neu gestartet, bekommt man HEIC-Dateien im Explorer und auf dem Desktop mit Vorschaubildern angezeigt. Mit den systemeigenen Programmen ‚Fotos‘ und ‚Paint‘ kann man sie öffnen. Auch einige weitere Programme, die auf den sogenannten WIC-Treiber zugreifen (z. B. Microsoft Word, Affinity Photo, IrfanView), können dann HEIC-Dateien importieren.

Im Wesentlichen bieten die Windows-Apps also die Möglichkeit, HEIC-Fotos zu öffnen. Mit ‚Paint‘ kann man im HEIC-Format sogar speichern – allerdings ohne Einstellmöglichkeit für Dateigröße/Qualität. Um alle Vorteile des HEIC-Formates auch beim Speichern nutzen zu können, bräuchte man eben doch eine Software, die das HEIC-Format nativ unterstützt.

Erstellt am 07. Dezember 2019


Das Ende des Filmlooks

Als Filmstudenten in den später 1990ern hatten wir kein Geld, um unsere Übungsfilme auf 35-mm-Film zu drehen. Video erfüllte zwar formal denselben Zweck, aber es konnte nicht mit dem Look edler Kinofilme mithalten. Daher waren wir ganz versessen auf alles, was unsere Filme optisch einem abgetasteten Kinofilm annäherte: Wir eliminierten in der Nachbearbeitung die Halbbilder, um ein dezentes Kino-Ruckeln zu bekommen. Die Perfektionisten unter uns verwendeten gar Fotoobjektive an Mattscheiben-Adaptern, um die geringe Schärfentiefe einer echten Filmkamera zu simulieren. Ob unser Publikum diese Bemühungen jemals zu schätzen wusste, ist unklar. Wir selber waren auf jeden Fall stolz drauf.

Noch vor zwanzig Jahren wurden Studiosendungen und Dokumentationen mit Videokameras gedreht und hatten „Videolook“, Fernsehfilme und Spielfilme waren auf Filmmaterial gedreht und hatten „Filmlook“. Heute gibt es diese klare Zuordnung nicht mehr. Mit Aufkommen der videofähigen DSLRs konnte plötzlich jeder Laie Filme drehen, die optisch den Kinofilmen auf DVD und Blu-ray nahe kamen. Irgendwann wurde auch YouTube überschwemmt von Videos mit „Filmlook“. Anfangs galt das für szenische Filme, später auch für auch jede Art von Familienfilmen, Vlogs und Erklärvideos.
Digitale Kameras haben Produktionsprozesse verändert. Viele Fernsehdokumentationen und sogar manche Studiosendungen werden heute in 25 fps produziert. Gleichzeitig sind aber die neuen Fernsehgeräte mit einer Bewegungsglättung ausgestattet, die das dezente Ruckeln beseitigt und damit selbst Kinofilmen einen „Videolook“ verpasst. Als Filmliebhaber mag man das schrecklich finden, aber die meisten anderen Leute stören sich daran nicht. Wenn man ihnen zeigt, wie die Filme im Original ohne Bewegungsglättung aussehen, erkennen sie darin keinen Vorteil. Ebenso wenig verstehen sie, was an einer extrem knappen Schärfentiefe besonders schön oder edel sein soll.

Sehgewohnheiten gelten nicht für die Ewigkeit. Es wächst immer wieder eine neue Generation von Zuschauern nach, die ganz anders geprägt wird als die Generationen davor. Und was man leicht übersieht: Einem ziemlich großen Teil der Zuschauer war das Thema Filmlook auch früher schon egal.
Es gibt mit Lichtsetzung, Farbdesign und Kontrastkurven auch heute viele künstlerische Einflussmöglichkeiten auf den Look von hochwertigen Filmen. Jedoch die althergebrachte Kino-Framerate und der „180 Grad Shutter“ vertragen sich nicht mehr mit einer immer höheren Bildauflösung. Die heutigen 4k- und UHD-Auflösungen lassen die technischen Defizite immer stärker in den Vordergrund treten. Wenn das Bild aufgrund knapper Schärfentiefe zum größten Teil verschwommen erscheint, kann dies auf großen Bildschirmen ziemlich stören. Erst recht stört es, wenn die Auflösung jedesmal sichtbar einbricht, sobald die Kamera zu schwenken beginnt. Gefragt sind mehr Schärfentiefe und kürzere Belichtungszeiten. Letztere führen aber zu einem starken Ruckeln, wenn man nicht gleichzeitig auch die Framerate erhöht.
Für uns Filmer ist das ein harter Einschnitt – denn ein großer Teil des Filmlooks, der uns einst so wichtig war, ist damit futsch. Aber man kann einem jungen Kinogänger nicht mehr plausibel erklären, worin der Vorteil liegen soll, wenn das Bild auf der Kinoleinwand ruckelt und bei jeder Bewegung unscharf wird – obwohl wir doch längst die Technologie haben, um es besser zu machen. Irgendwann müssen auch wir „Älteren“ das einsehen.

Erstellt am 12. November 2019


Warum ist die Länge der Videoaufnahmen an vielen Kameras begrenzt?

An vielen digitalen Fotokameras ist die Länge einer einzelnen Videoaufnahmen auf 29 Minuten und 59 Sekunden begrenzt – manchmal sogar noch weniger. Das ist ärgerlich, wenn man längere Ereignisse (Theaterstücke, Konzerte, Karnevalsumzüge etc.) ohne Unterbrechung aufnehmen möchte. Nur die „echten“ Videokameras und einige wenige Fotokameras erlauben zeitlich unlimitiertes Video.

Ursprünglich hatten diese Begrenzungen vor allem zollrechtliche Gründe. Nach den Zollregeln der Welthandelsorganisation werden Videokameras anders eingestuft als digitale Fotokameras. Kameras, die Videos von 30 Minuten Länge oder mehr aufnehmen können, gelten nach WHO-Regeln als Videokameras. In Gebieten wie der EU, die für die Einfuhr von Videokameras höhere Zollsätze erheben als für Fotokameras, wirkt sich die Unterscheidung auf die Höhe des Zollsatzes aus.
Noch bis Juni 2016 galt in der EU auf die meisten Videokameras ein Zollsatz von 4,9 Prozent, während digitale Fotokameras zollfrei waren. Um ihren Kunden in der EU den Mehrpreis zu ersparen, limitierten die Hersteller daher häufig die Video-Aufnahmedauer auf unter 30 Minuten. Inzwischen ist allerdings ein neues WHO-Abkommen in Kraft, das nach und nach viele elektronische Geräte – darunter auch Videokameras – zollfrei macht. Der Zollsatz wurde bereits um mehrere Stufen gesenkt und beträgt seit dem 1. Juli 2019 nur noch 1,6 %. Am 1. Juli 2020 sinkt er auf 0,8 % und ab 1. Juli 2021 fällt er dann ganz weg. Für Herkunftsländer, mit denen die EU weitergehende Abkommen geschlossen hat (z. B. Japan und Südkorea), ist der Zollsatz für Videokameras bereits jetzt auf Null. Also spielt die zollrechtliche Einstufung der Kameras inzwischen fast keine Rolle mehr.

Allerdings gibt es auch technische Gründe, die Aufnahmedauer zu begrenzen. Je größer die Sensoren sind, je höher die Auflösungen und je höher die Frameraten, desto stärker erwärmt sich der Sensor im Videobetrieb. Fotokameras, die nicht über ausreichende Wärmeableitung verfügen, können daher bei längerer Videoaufnahme überhitzen und müssen sich abschalten. Manche Hersteller begrenzen die Dauer der Videoaufnahme von vornherein; das können dann auch deutlich kürzere Werte als 30 Minuten sein.
Kameras, die trotz großem Sensor endlos aufnehmen sollen, brauchen aufwendige Kühlsysteme und werden dadurch größer und schwerer. Für Kunden, die gar keine langen Videoaufnahmen machen wollen, ist das ein schlechter Kompromiss.
Auch wenn die zollrechtliche Einstufung nicht mehr relevant ist, wird es daher auch weiterhin Kameras mit begrenzter Aufnahmedauer geben.

Erstellt am 08. November 2019


Nikon AF-D gibt es nicht.

Vor nicht so langer Zeit bin ich durch Zufall darüber gestolpert, dass Nikon gar keine AF-D-Objektive im Programm hat. Und auch noch nie hatte. Bis dahin hatte ich (und damit war ich nicht allein) das Kürzel AF-D häufig und ganz selbstverständlich in Forenbeiträgen benutzt: „Hast Du die AF-S-Version oder die AF-D-Version?“ Nach etwas Recherche weiß ich heute, dass die Frage Unsinn ist.

Der Irrtum reicht wohl zurück in die 1990er-Jahre, als Nikon seine AF-Objektive um das D-Feature (Weitermeldung der Entfernungsinformation) bereicherte. Es gab also plötzlich neue Versionen mit dem ominösen D im Namen. Irgendjemand aus der Redaktion einer Fotozeitschrift kam dann wohl auf die Idee, die neuen Objektive als „AF-D“ zu bezeichnen - und dieses Kürzel hält sich seither hartnäckig im Sprachgebrauch von Nikon-Fotografen.

Tatsächlich steht der Buchstabe D in der offiziellen Nikon-Objektivbezeichnung nicht mit einem Bindestrich hinter „AF“, sondern erst hinter der Lichtstärke. Damals, bei Einführung des D-Features, konnte das allen ziemlich egal sein. Aber inzwischen hat Nikon etliche weitere Buchstaben dazuerfunden, und jetzt passt die Kombination „AF-D“ überhaupt nicht mehr in die Gesamtlogik.
Es gibt offiziell bei Nikon AF, AF-I, AF-S und AF-P. Die Buchstaben stehen dabei jeweils für eine andere Art von Fokusmotor im Objektiv. Fehlt der Buchstabe hinter dem AF, nutzt das Objektiv den AF-Motor im Kameragehäuse.
Hinter der Lichtstärke-Zahl steht entweder gar kein Buchstabe oder D oder G oder E. Diese Buchstaben zeigen jeweils Stufen der Objektiv-Evolution: An den frühen AF-Objektiven fehlte noch dieser Buchstabe, D brachte dann die besagte Übermittlung der Entfernungsinformation, an Objektiven mit G wurde zusätzlich der mechanische Blendenring weggelassen, an Objektiven mit E wurde zusätzlich die mechanische Übertragung der Blende durch eine Elektronische ersetzt.

Ja, das klingt jetzt alles sehr nach Klugscheißerei. Ist es aber nicht. Oder zumindest nicht nur.
Das Problem ist, dass die Bezeichnungen sich überschneiden. So gibt es Nikon-Objektive, die AF-S als Antriebsart und zusätzlich das D-Feature haben (z. B. das „AF-S Nikkor 80-200mm 1:2.8 D“). Also ist es nicht sinnvoll, so zu tun, als gebe es AF-D in Konkurrenz zu AF-S.
Nicht alle Bezeichnungen überschneiden sich, aber einige: AF-Objektive gibt es ohne Buchstabe nach der Lichtstärke-Zahl oder mit D oder mit G. AF-I-Objektive gibt es nur mit D. AF-S-Objektive gibt es mit D, G oder E. AF-P-Objektive gibt es mit G oder E.

Erstellt am 15. August 2019


 

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